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Sanlúcar
de Barrameda, oder auch nur kurz Sanlúcar,
ist der westlichste Ort der Costa de la Luz,
die Fahrzeit von Cádiz-Stadt aus beträgt
in etwa eine dreiviertel Stunde, wobei man
die meiste Zeit mit dem zuweilen etwas mühsamen
Transit durch das Zentrum von El Puerto de
Santamaría verliert. Das rund 62.000
Einwohner zählende, elegante und, zumindest
in den Wintermonaten, ruhige Küstenstädtchen
ist gleichzeitig Tor zu einem der schönsten
Naturschutzgebiete Spaniens, der Coto de Doñana.
Berühmt ist Sanlúcar aber vor
allem auch durch seine Weißweine, dem
fruchtig-herben Barbadillo sowie dem staubtrockenen
Manzanilla. Darüber hinaus genießt
Sanlúcar landesweit den (berechtigten)
Ruf, eine der Hochburgen der spanischen Tapa-Kultur
zu sein, die hier insbesondere auf fangfrischen
Meeresfrüchten beruht. Bis ins 18. Jh.
eine der bedeutendsten Drehscheiben im Amerika-Handel,
lebt Sanlúcar heute hauptsächlich
vom Weinbau, der Schnittblumenzucht, einer
kleinen aber feinen Möbelproduktion und
natürlich vom Tourismus. Der Name der
Stadt resultiert vermutlich aus einer Zusammensetzung
aus dem altspanischen Sant Lucar (Heiliger
Ort) und dem arabischen Bab-rh-mda (etwa:
"Sandpforte"); ein etymologischer
Herleitungsversuch, der, angesichts der hier
bis ins 19. Jh. zahlreich vertretenen religösen
Orden sowie der gut 780-jährigen arabischen
Dominanz, plausibel erscheinen kann. Insbesondere
Franziskaner und Dominikaner bereiteten sich
hier auf ihre christliche Missionsarbeit in
den neu entdeckten Kolonien vor. So auch der
berühmte Dominikaner-Pater Fray Bartolomé
de las Casas - der spätere Bischof von
Chiapas - , einer der vehementesten und mutigsten
Verteidiger der Indianer-Rechte in den neuen
spanischen Kolonien.
Der
Reisende, der nach Sanlúcar gelangt,
denkt irgendwie sofort an die Karibik, mischt
sich hier doch das gleißend-blaue Licht
des westandalusischen Himmels mit allgegenwärtigen
Elementen "britisch" eingefärbterArchitektur,
in der sich der über Jahrhunderte gewachsene
Wohlstand kosmopolitischer Sommerfrischler,
insbesondere aus dem nahe gelegenen Sevilla,
Wiederspiegelt.
So spielten denn auch Kaufleute britischen
Ursprungs in Sanlúcar vom späteren
16. Jh. bis ca. 1645 eine bedeutende Rolle
im Wirtschaftsleben der Stadt. Der Einfluss
dieser durch den Amerika-Handel wohlhabend
gewordenen britischstämmigen Kaufleute
hat sich nachhaltig mittels bestimmter architektonischer
Tendenzen in Sanlúcar verewigt.
Natürlich finden wir, insbesondere im
Barrio Bajo, auch beeindruckende Beispiele
spanischer Bürgerarchitektur des 18.
Jahrhunderts, als der Amerika-Handel bereits
seinen Höhepunkt erreicht hatte. Ebenso
wie in der Provinzhauptstadt Cádiz
gibt es hier eine Calle Ancha (Breite Straße),
in deren näherer Umgebung man zahlreiche
Beispiele für sich ehemals im Besitz
einzelner reicher Familien befindlicher Cargadores
a Indias (etwa: "Privatvillen im `Indienhandel'
tätiger Kaufleute") mit ihren typischen,
teils stuhlförmigen Aussichtstürmen
findet.
Die
Stadt besteht quasi aus drei Teilen, dem Barrio
Bajo ("Tiefes Viertel"), dem Barrio
Alto ("Hohes Viertel") sowie der
weitläufigen Uferpromenade nebst schier
unendlichem Strand, die beide im alten Fischerviertel
Bajo de Guía enden, gleichsam Sanlúcars
Gourmet-Meile und Abfahrtstelle für jene
Flussdampfer, mit denen man über den
Guadalquivir den Nationalpark Coto de Doñana
bereisen kann.
Cristóbal Colón (Christoph Kolumbus)
startete von hier aus im Jahre 1488 seine
dritte Amerika-Reise, doch wir wollen uns
an dieser Stelle auf einen Rundgang durch
Sanlúcar beschränken, den man
am besten ab der Calzada del Ejército
(Exerzier-Esplanade) startet, unter der sich
praktischerweise ein modernes öffentliches
Parkhaus befindet, nach dessen Verlassen man
sofort auf das Touristeninformationsbüro
(Oficina de Turismo) stößt. Dort
gibt´s einen etwas holprig ins Deutsche
übersetzten Stadtplan mit Basisinformationen,
der aber gute Dienste leistet. Außerdem
spricht das sehr freundliche und kompetente
Personal zumindest auch Englisch.
Von hier aus geht es schnurgerade
weiter, zur Plaza del Cabildo (Rathausplatz).
Der Rathausplatz ist das heutige gesellschaftliche
und eines der kulinarischen Zentren der Stadt,
finden sich doch hier einige der besten Tapa-Bars
der Costa de la Luz, für die man unbedingt
genügend Zeit einplanen sollte. Im alten
Rathaus selbst ist heute die Stadtbücherei
untergebracht.
Zwischen Rahthausplatz und der Plaza de Abastos
(Markthallen) liegt die Iglesia de los Desamparados
(Kirche der Obdachlosen), eines der schönsten
Beispiele für den andalusischen Barrock
in Sanlúcar. Über die Calle Trascuesta
geht es nun weiter in die unbedingt sehenswerten
Markthallen, die man am besten am frühen
Vormittag besuchen sollte, bevor die liebevoll
herausgeputzten Stände ausverkauft sind.
Wie auf den meisten andalusischen Tagesmärkten
finden sich auch hier im Vorfeld alle möglichen
Stände mit Krimskrams,
an denen man unter Umständen das eine
oder andere Schnäppchen machen kann.
Die Plaza de Abastos (Markthalle) ist insbesondere
wegen ihres reichhaltigen Angebotes an frischem
Fisch und Krustentieren ein tolles Spektakel;
hier findet der Gourmet unter anderem die
in ganz Spanien "berühmten"
Camarones (Sägegarnelen), Hauptbestandteil
der Tortillas de Camarones (Kleine Kartoffelpuffer
mit Garnelen-Füllung), einer lokalen
Spezialität, die sich auf jeder besseren
Tapa-Speiskarte findet. Urig ist auch die
in der hinteren linken Ecke der Halle gelegene
Taverne, will meinen, eine richtig schöne
Marktspelunke, in der man Garnelen-Reste,
Papierservietten und Zigarettenkippen einfach
auf den Boden werfen darf - vielleicht nicht
für jedermannes ästhetisches Empfinden
geeignet, dafür aber "typical spanish".
Doch keine Angst, am Ende des Vormittags wird
einfach alles mit dem Wasserschlauch fein
säuberlich weggespritzt.
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