Freitag, 10. September 2010

Entdecken Sie die Provinz Cádiz Ort für Ort...


Das ungerechte Dasein einer verkannten Schönheit führt das ca. 40 Kilometer westlich von Cádiz gelegene Küstenstädtchen Rota, bei dem die meisten nur an die gleichnamige US-Militärbasis denken, die seit den 50er Jahren für Ruhe und Sicherheit in der Meerenge von Gibraltar sorgt. Freilich ist der Reisende, der zum ersten Male nach Rota kommt, überrascht, denn nichts erinnert hier an die Präsenz von immerhin 6.000 US-Militärs, die sich offensichtlich ausgesprochen diskret verhalten. Vielmehr verfügt Rota über den ganzen Charme eines verträumten, andalusischen Fischernestes, das heute überwiegend vom Tourismus lebt. Mit insgesamt 16 Kilometern feinsandiger, flach abfallender Küste ist Rota der absolute Strand-Spitzenreiter an der Costa de la Luz.



Costa de la Luz-Entdecker, die per Privat-PKW unterwegs sind, folgen auch nach der Ankunft in Rota am besten den Schildern, die Richtung Sporthafen (Puerto Deportivo `Astaroth´) führen, der erst 1992, anlässlich der Segelweltmeisterschaften in der 470er-Klasse gebaut wurde. Dort gibt es, zumindest zwischen Oktober und Mai, Parkplätze en masse, obendrein auch noch gratis.
Allerdings sind die 80 Eurocent "freiwilligen" Obulus´, die der mutmaßlich städtische Parkwächter höflich vorschlägt, sicherlich eine gute Investition, hat man so doch die Gewissheit, dass jemand aufpasst. Direkt gegenüber dem Hafen führt eine steile Treppe mitten hinein ins Herz der Altstadt von Rota, dem Casco Antiguo, wo wir unsere Entdeckungstour beginnen wollen.

Die kann beispielsweise im "Mondschloss", dem Castillo de la Luna, beginnen, dort, wo sowohl das Rathaus wie das Touristen-Informationsbüro von Rota untergebracht sind.
Wie so viele öffenliche Gebäude in Andalusien, so ist auch das Castillo de la Luna muslimischen Ursprungs, wurde dann aber im Rahmen der Reconquista Rotas ab dem 13. Jahrhundert wieder nach gotischem Geschmack umgebaut. Wie fast immer in diesen Fällen, bewiesen die nordspanischen Rückeroberer viel Pragmatismus, so dass die "arabischen" Elemente der ehemaligen Festung bis heute erhalten geblieben sind. Natürlich handelt es sich bei dem Bauwerk nicht mehr um die komplette Original-Substanz, jedoch haben die Restauratoren hier ganze Arbeit geleistet, um diesem Wahrzeichen Rotas Stein für Stein sein originäres Antlitz wiederzuverleihen.



Typisch für den Mudéjar-Stil wird der Innenhof aus 16 Halbbögen gebildet, wobei lediglich die vier Ecksäulen aus Marmor bestehen, die restlichen sind aus Sandstein. Im rechten Säulengang des Innenhofes findet sich ein besonders schönes Beispiel für ein gotisches Wandmosaik aus dem 15 Jahrhundert, möglicherweise anlässlich eines Besuches der Katholischen Könige entstanden.
Die Damen im gleich an den Innenhof anschließenden Touristeninformations-Büro sind überaus freundlich und geduldig, das mehrsprachige Prospektmaterial ist ausgesprochen komplett.
Gleich gegenüber dem Castillo de la Luna liegt die Iglesia Parroquial de Nuestra Señora de la O (Pfarrkirche unserer Guten Frau vom O), die 1537 fertiggestellt wurde.



Bereits die dritte Kirche dieses Namens, auf die wir in der Provinz Cádiz treffen, wirkt die hiesige Iglesia de la O von außen eher wie eine Festungsanlage - typisch für den architektonischen Geschmack der damaligen Zeit, als das koloniale Spanien unter dem Habsburger Karl I. (V.) den Höhepunkt seiner Macht erreichte. Dass damals viele in Rota ansässige Kaufleute eine Menge Geld mit dem Übersee-Handel verdienten, erkennt man erst beim Betreten des wirklich sehenswerten Inneren des Tempels, in dem eine wundervolle, fast kühle und doch auch mystische Stille spürbar wird, die der Reisende unbedingt einen Augenblick lang genießen sollte.



Hier mischen sich gotische Elemente mit andalusischem Barrock und dem hierzulande weit verbreiteten Plateresken-Stil. Der Einsatz von massivem Silber im Kirchenschmuck, das aus den spanischen Kolonien auf dem amerikanischen Kontinent herbeigeschafft wurde, ist in ganz Andalusien Usus. Oftmals handelt es sich hierbei um Spenden von durch den Übersee-Handel schnell reich gewordenen Emporkömmlingen, die auf diese Weise ihr schlechtes Gewissen reinwaschen wollten. Das Gleiche gilt für kirchliche Wachsspenden, einem seinerzeit extrem teuren Material, aus dem dann jene Altarkerzen hergestellt wurden, an deren Größe und Inschrift sich der soziale Status der jeweiligen Spender ablesen ließ.
Nachdem wir nun bereits die beiden wichtigsten Monumente der kleinen Altstadt von Rota kennen gelernt haben, ist es Zeit, sich ein wenig treiben zu lassen.

So findet man sich beispielsweise ganz unverhofft in einer Seitengasse, vor der winzigen, zur Sraße offenen Werkstatt eines Schusters wieder, wo der Meister noch wie vor hundert Jahren repariert, mit einem beneidenswert zufriedenen Lächeln auf den Lippen.
Die touristische Hauptattraktion Rotas sind natürlich die schier kein Ende nehmen wollenden, ewig breiten und blitzsauberen Strände, an denen der Atlantikwind mit unbändiger Kraft jeden Ansatz von wüstem Massen-Badebetrieb hinwegpustet. Von der Altstadt aus hat man beispielsweise direkten Zugang zum gut anderthalb Kilometer langen Stadtstrand El Rompillo, der über die gängigen Service-Einrichtungen wie Rettungsdienst, Megaphonie-Ausrufdienst und Toilettenanlagen verfügt. Als einer der schönsten Strände Spaniens gilt La Costilla, den man ebenfalls von nahezu jedem Punkt der Altstadt aus in wenigen Minuten erreicht. Von den Einheimischen wird La Costilla auch liebevoll La Concha del Sur, "Die Muschel des Südens", genannt.


Nur etwa funf Autominuten von Rota entfernt liegt die Luxusurbanisation Costa Ballena, die nicht nur an einem der schönsten Strände Spaniens liegt, sondern unter anderem auch einen 36-Hole-Golfplatz mit Meerblick umfasst.