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Das
knapp 40 Kilometer nord-östlich von Cádiz-Stadt
gelegene Jerez de la Frontera ist zweifelsohne
die heimliche Hauptstadt der Costa de la Luz,
auch wenn das die Gaditanos – die Einwohner
der "echten" Provinzhauptstadt –
überhaupt nicht gerne hören. Die
beiden stets um die touristische Vorherrschaft
zankenden Schwestern könnten freilich
unterschiedlicher nicht sein: auf der einen
Seite die karibisch anmutende, strahlend weiße
Atlantik-Stadt Cádiz mit ihrer teils
verwegenen Schönheit und ihrer Seeräuberatmosphäre,
noch immer vom Glanz längst vergangener
Zeiten zehrend; andererseits das stark bürgerlich
geprägte, elegante und fast schon etwas
snobistische Jerez, das seinen mit dem Sherry-Export
erzielten Reichtum nicht verbergen könnte,
selbst wenn es wollte. Im Gegensatz zu Cádiz,
mit dem es seit dem Verlust der spanischen
Kolonialreiche wirtschaftlich nur noch beständig
bergab ging – die Stadt gilt heute als
eines der Armenhäuser der Iberischen
Halbinsel – boomt es in der rund 190.000
Einwohner zählenden Nachbarstadt Jerez
was das Zeug hält. Neben den traditionellen
"Industrien" der Stadt, dem Weinhandel
und der Pferdezucht, entwickelt sich Jerez
durch seine Formel-1-Rennstrecke auch immer
mehr zum europäischen Mekka des Motorsports,
das die internationalen Automobilhersteller
zunehmend als Laufsteg zur Präsentation
ihrer neuesten Modelle nutzen. Und dann ist
da auch noch das zutiefst andalusische Jerez,
das Jerez der Zigeuner-Kultur, das Jerez des
Flamenco. Die Liste der deutschsprachigen
Reiseliteratur zu Jerez ist ebenso komplett
wie endlos; nichtsdestotrotz hat andalusien-tours.de
die Stadt natürlich für Sie besucht,
um Ihnen auf diesem Wege vielleicht doch noch
den einen oder anderen neuen Aspekt zu vermitteln.
Als
wir in Jerez ankommen, ist es noch früh
– zu früh für unser Treffen
mit dem Vertreter des Fremdenverkehrsamtes,
der uns heute seine Stadt zeigen will. Also
beschließen wir, noch schnell frühstücken
zu gehen, in einer kleinen, nahe der Kathedrale
glegenen Bar. An der Theke stehen ein Beamter
der Policía Nacional (Staats-Polizei),
ein paar Arbeiter im Blaumann und ein Büroangestellter
in Schlips und Kragen. Alle schlürfen
stumm ihren Cafelito con leche (Kaffee mit
heißer Milch) und knabbern noch etwas
verschlafen an ihren mit Salzbutter bestrichenen
Tostadas (halbe, geröstete spanische
Spitz-Brötchen). Wir bestellen Orangensaft,
Tostadas und Café con leche, das Ganze
kostet keine zwei Euro. Einmal mehr wird klar,
dass Jerez eine Stadt der Gegensätze
ist: einerseits generieren Weinexport, Formel
1 und Reitsport hohe Einkommen, andererseits
ist Jerez in mancherlei Hinsicht noch weit
von den teils astronomischen Lebenshaltungskosten
anderer andalusischer Metropolen entfernt.
Dies liegt vor allem an den Immobilienpreisen,
die in Jerez noch auf einem normalen, gesunden
Niveau liegen, schließlich ist Bauland
hier nahezu unbegrenzt vorhanden, die Expansion
der Stadt wird weder vom Meer, noch von anderen
geograhischen Hindernissen gebremst.
Jerez ist zweifelsohne auch eine der elegantesten
Städte Andalusiens. Hier sind all jene
Globetrotter richtig aufgehoben, die das alte,
auf angenehme Art und Weise leicht versnobte,
dezent wollüstige Südspanien der
traditionsreichen Wein-Adelsgeschlechter suchen,
das Andalusien der weitläufigen Haciendas,
auf denen die edelsten Pferde der Welt gezüchtet
werden und auf deren Feldern einst der ebenso
emotionsgeladene wie sentimentale Flamenco
geboren wurde.
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