Genau
zwischen Chipiona und Rota gelegen, entsteht
derzeit eines der ehrgeizigsten und ambitioniertesten
Projekte in der Geschichte des spanischen
Tourismus: die Luxus-Urbanisation Costa Ballena
(Walküste), die in jeder Hinsicht Maßstäbe
setzen will. Auf der gut vier Hektar großen,
direkt an einem der schönsten Dünen-Strände
Europas gelegenen Fläche hat sich eine
Holding aus Andalusischer Landesregierung
und Privatinvestoren das ehrgeizige Ziel gesetzt,
den "Lebensraum fürs 21. Jahrhundert"
zu schaffen, der je hälftig zu den beiden
oben genannten Gemeinden gehört.
Noch
wirken die blitzsauberen, palmengesäumten
Wege und Straßen etwas verlassen, es
ist Anfang April, Vorsaison, fast gespenstisch
die Ruhe, die nur zuweilen durch das entferne
Surren eines der noch zahlreich vorhandenen
Baukräne oder durch das "Klack"
eines gerade abgeschlagenen Golfballes unterbrochen
wird. Kein Durchgangsverkehr, keine nervigen
Mopeds, keine lauten Stereoanlagen, kein einziger
LKW, nicht einmal die sonst in Spanien allgegenwärtigen,
alptraumhaft klappernden Butano-Laster sind
hier zu sehen. Auch die in manchen spanischen
Urbanisationen zum Alltagsbild gehörenden
überquellenden, übelriechenden Müllcontainer
wird man vergeblich suchen.
Vielmehr fühlt sich der Besucher in eines
jener nahezu perfekten Residential-Viertel
versetzt, wie man sie ansonsten vielleicht
nur aus den Vereinigten Staaten oder der Schweiz
kennt. Costa Ballena, eine Art riesiger Country-Club,
direkt an einem der schönsten Dünen-Strände
des Atlantiks gelegen, mit eigenem 27-Loch
Golfplatz, der sowohl Anfängern als auch
Profis alle Möglichkeiten bietet.
Künstliche Seen, unterbrochen von kleinen
Wasserfällen, Palmenhaine und Parkanlagen
mit exotischer Fauna bieten den Rahmen für
individuell gestaltete Apartment-Anlagen,
wobei man hier vom adretten 1-Zimmer-Studio
bis hin zu Superluxus alles finden kann. Kein
Gebäude darf höher als vier Etagen
sein, man hat aus den Fehlern der benachbarten
Costa del Sol gelernt.
Eine von uns besichtige Wohnung in mittlerer
Preislage macht einen erstaunlich soliden
Eindruck, alles wirkt wie aus einem Guss,
das Objekt findet sich in einem "denkenden",
"ökologischen" Gebäude.
So sind hier beispielsweise die lästigen
Butano-Flaschen endlich Schnee von gestern,
Erdgas sei dank; in Spanien leider längst
noch keine Selbstverständlichkeit. Was
uns am meisten beeindruckt, ist, wie man hier
das Problem der Müllbeseitigung gelöst
hat:
Vor jedem Haus steht eine Reihe von briefkastenähnlichen
Containern; die der Entsorgung des Hausmülls
dienen. Der wird dann per Druckluft und via
unterirdischem Rohrleitungssystem zur Recycling-Station
befördert. Ein sauberes, geruchsfreies
aber auch vor allem leises und serviceorientiertes
System.
Der
kleine, sich der parterre liegenden Terasse
anschließende Garten unseres Musterapartments
wirkt zwar noch arg jungfräulich, jedoch
ist schon jetzt zu erkennen, dass alles hier
mit viel Sorgfalt und gut durchdacht angegangen
wird. Abgerundet wird das Bild durch das nur
wenige Meter entfernt gelegene, zum Block
gehörende, pikobello gepflegte Schwimmbad,
Zutritt nur für Eigentümer.
Einige Straßenzüge weiter dann
ein Beispiel dafür, was in der Luxusklasse
so alles möglich ist:
Hier hat man sich für die Lösung
"Urbanisation in der Urbanisation"
entschieden, das heißt, höchste
Sicherheitsstufe, mit begrüntem Schutzzaun,
dezenter Kamera-Überwachung und elektronischem
Zugangscode wie am Bankomaten.
Beim
Zeichnen der massiv wirkenden, terassenförmig
angelegten Apartmenthäuser muss der Architekt
wohl eine Mischung aus andalusischem
Kolonialstil und bayerischer Hüttenromantik
im Sinne gehabt haben, wobei sich das Ergebnis
aber durchaus sehen lassen kann, ohne ins
Kitschige abzugleiten. Der gesamte Komplex
liegt innerhalb einer perfekt gepflegten,
exotisch anmutenden Gartenanlage mit eigenem
Pool.
Für Eigentümer gibt´s sogar
einen kleinen Privatweg, der direkt zum nur
wenige Meter entfernt liegenden Traumstrand
führt. Überhaupt ist der, neben
dem Golfplatz mit Meeresblick, das Highlight
der Walküsten-Urbanisation: zart goldgelb
gefärbter Sand so weit das Auge reicht,
flach in den smaragdfarbenen Atlantik abfallend,
natürlich begrenzt von einer urwüchsigen
Dünenlandschaft, wie sie für die
Costa de la Luz so typisch ist. Nichts trübt
hier den Eindruck des wirklich
noch ursprünglichen Paradiesstrandes.
Damit dies auch so bleibt, haben die Macher
von Costa Ballena den gesamten Komplex von
vornherein für maximal 20.000 Einwohner
konzipiert, Massifizierung ausgeschlossen.
Costa
Ballena ist der unserer Meinung nach gelungene
Versuch, den perfekten Lebensraum für
den gehobenen Residential- und Golftourismus
des 21. Jahrhunderts zu schaffen, ohne dabei
die gleichen Fehler zu machen, wie sie beispielsweise
schon so oft an der benachbarten Sonnenküste
begangen wurden. Zwar ist auch Costa Ballena
eine Retorten-Siedlung, jedoch wird ist dies
hier nicht so augenfällig wie andernorts.
Abgerundet wird das Ganze
durch eine wirklich komplette Infrastruktur,
bestehend aus Einkauftsmöglichkeiten,
Restaurants, gehobenen Hotels, einem breit
gefächerten Sportangebot (neben Golf
kann man auch Reiten, Segeln, Windsurfen oder
Tennis spielen) und einem ganz besonderen
Augenmerk auf dem respektvollen, nachhaltigen
Umgang mit den vorhandenen Ressourcen.
Aus unserer Sicht könnte
sich Costa Ballena durchaus zu einer Art Puerto
Banus der Provinz Cádiz entwickeln,
auch was die potentielle Rendite von Immobilien-Anlagen
betrifft, die sich in Südspanien seit
20 Jahren im zweistelligen Bereich bewegt.
Freilich sollte man, angesichts der sich abzeichnenden
Zinserhöhung, die zu einer vorübergehenden
Abkühlung des andalusischen Immobilen-Marktes
führen könnte, einen mittel- bis
langfristigen Anlagehorizont haben.
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