Freitag, 10. September 2010

Entdecken Sie die Provinz Cádiz Ort für Ort...


Die Hauptattraktion des zwischen Chiclana und Barbate gelegenen Küstenstädtchens Conil sind zweifelsohne seine endlosen, unverbauten Strände, die sich auf insgesamt rund 15 Kilometern bis auf das Gebiet der Luxus-Urbanisation El Roche hinziehen. Darüber hinaus gelten die Gewässer von Conil als Taucherparadies. Dem kleinen, romantischen Zentrum der Kleinstadt merkt man allenthalben seine Vergangenheit als Fischerdorf an, noch geht es in den verwinkelten Gassen mit ihren typisch andalusischen, schneeweißen Flachdach-Häuschen beschaulich und stressfrei zu. Was Conil außerdem auszeichnet, ist die sprichwörtlilche Freundlichkeit der Einheimischen dem Fremden gegenüber, man spürt, dass hier der Massentourismus noch keinen Einzug gehalten hat.


Die Erkundung von Conil startet der Reisende am besten von der Uferpromenade, dem Paseo Marítimo aus. Hier gibt es, parallel zum urbanen Los Bateles-Strand gelegen, Parkplätze en masse, der gemütliche städtische Parkwächter, dem seine Vergangenheit als Fischer ins wettergegerbte Gesicht geschrieben steht, verlangt lediglich einen Obolus von 80 Cent, dafür kann man den Wagen hier den ganzen Tag stehen lassen – Conil sollte man unbedingt zu Fuß entdecken.
Der schier endlos wirkende, naturbelassene Stadtstrand Los Bateles ist fast menschenleer, weht doch an unserem Besuchstag eine solch steife Atlantik-Brise, dass auf dem Überwachungsturm der Rettungsschwimmer die rote Fahne gehisst ist, und das heißt Badeverbot. Nicht umsonst ist auch Conil ein beliebtes Windsurfing-Revier.



Gleich gegenüber dem Paseo Marítimo (Strandpromenade) gelangen wir in die kleine, noch recht verträumt wirkende Altstadt von Conil, deren kunsthistorische Hauptattraktion der Torre de Guzmán (Guzmán-Turm) ist.
Das zwischen all den geduckten Gebäuden der Altstadt wie ein Fremdkörper wirkende gotische Ungetüm wurde im 14. Jahrhundert unter der Ägide des damaligen Lehnsherrn von Conil, Guzmán el Bueno, als Bestandteil eines Verteidigungsringes errichtet, der zur Abwehr eines potentiellen Angriffes der gerade erst vertriebenen Mauren dienen sollte. Von der Aussichtsplattform des Turmes bietet sich dem Globetrotter ein überaus beeindruckender Blick, der bis zum Kap von Trafalgar reicht.


Rechts neben dem Guzmán-Turm liegt die Plaza Santa Catalina (Platz der Heiligen Katharina), gleichsam das Herz der Altstadt von Conil. Der malerische kleine Platz ist an seiner Ostseite von der im 16. Jahrhundert erbauten, gleichnamigen Kirche begrenzt (Iglesia de Santa Catalina). In ihren Anfangszeiten diente die Katharinen-Kirche noch als Kloster.
Im Bereich der Plaza Santa Catalina konzentriert sich auch das Gros der Kaffeeterassen, Tapa-Bars und Restaurants von Conil. Die lokale Küche ähnelt jener der übrigen von uns an der Costa de la Luz besuchten Küstenorte und basiert insbesondere auf frischem Fisch und Meeresfrüchten.
Freilich ist das Hinterland von Conil in der ganzen Provinz Cádiz für seine hervorragenden Agrarprodukte bekannt und gilt als Obst-und Gemüsegarten der Region. Wer im Herbst oder Winter hierher kommt, sollte unbedingt die wirklich leckeren Gemüseeintöpfe probieren, für die das Städtchen berühmt ist.



Unter Eingeweihten gilt die Altstadt von Conil übrigens als Geheimtipp für ihr – zumindest in den Hochsommermonaten – ausschweifendes Nachtleben, das sich ebenfalls ganz in der Nähe der Plaza Santa Catalina, vor allem in der Calle José Tomás Borrego (José Tomás Borrego-Straße) konzentriert.
Wer bis in die frühen Morgenstunden in vollgestopften Lokalen bei ohrenbetäubender Disko-Musik feiern will, dem seien die dort situierten Bars El Duende (Der Kobold), La Luna (Der Mond) und Sureste (Südosten) empfohlen, wo junge und jung gebliebene Nachtschwärmer garantiert auf ihre Kosten kommen.


Traumstrände unterschiedlicher Couleur
Wie bereits eingangs erwähnt, zeichnet sich Conil insbesondere durch seine paradiesischen Strände aus, die zudem recht unterschiedliche Charakteristika aufweisen.
Zunächst wäre da der der Altstadt vorgelagerte Los-Bateles-Strand, der über sämtliche heute üblichen Service-Einrichtungen verfügt. Um die auch hier vorhandenen, für die Strände der Costa de la Luz so typischen Dünen zu schonen, hat die Stadtverwaltung Holzstege errichtet, die als Zugang zu den Badezonen dienen. Somit sollen die reichhaltige Flora und Fauna der Dünenlandschaft geschont werden.
Der Strand, mit seinem puderzuckerfeinen, goldgelben Sand, ist so weitläufig, dass es selbst in den Sommermonaten schwierig sein dürfte, sich von den übrigen Badegästen gestört zu fühlen. Während der Hauptsaison funktioniert hier ein ganztägiger Rettungsschwimmer-Service; der Zustand des Meeres wird, wie an der gesamten Costa de la Luz üblich, durch Fahnen angezeigt (grüne Fahne = "keine Gefahr", gelbe Fahne = "vorsicht, nur für geübte Schwimmer", rote Fahne = "Badeverbot").
Etwas weiter westlich gelegen geht der Los Bateles-Strand in die ebenfalls noch auf dem Stadtgebiet von Conil liegende Playa Fontanilla über, ein Strand, der zwar ähnlche Charakteristika aufweist wie Los Bateles, der aber eher von jugendlichem Publikum freuquentiert wird.
Etwas ganz Besonderes ist der bereits etwas außerhalb und gut versteckt liegende Natur-Strand Cala del Aceite (Öl-Bucht). Doch keine Angst, der Strand zeichnet sich nicht etwa durch die Folgen einer Ölpest aus, vielmehr deutet der Name darauf hin, dass es im Hinterland von Conil viele Olivenbäume gibt. Man erreicht ihn nur, indem man, direkt an der Küste entlang, einige Kilometer Richtung Chiclana fährt, um dann links in einen Feldweg einzubiegen, der lediglich mit einem winzigen Hinweisschild versehen ist, das man leicht übersieht. Nur im Schritt-Tempo geht es dann auf einem abenteuerlichen Schotterweg durch den Pinienwald, vorbei an einem Campingplatz, bis man schließlich auf den hoch oben auf einer Klippe gelegenen Parkplatz gelangt, zu dessen Füßen dann endlich die Cala del Aceite liegt. Die halbmondförmige Ölbucht ist von rötlich-braunen Sandstein-Felsformationen umgeben; insbesondere am späten Nachmittag ensteht somit ein einzigartiger Licht-Effekt, durch den sich der Reisende automatisch an Australien erinnert fühlt. Auch hier wieder der lichtküstentypische, goldgelbe Puderzuckerstrand. Die Cala del Aceite verfügt über keinerlei Service-Einrichtungen, dafür gibt´s hier aber ein mitten in den Sand gebautes Chiringuito (Strandlokal mit Barbetrieb).
Nächste Station ist der zur Nobel-Urbanisation Fuente del Gallo (noch Kreis Conil) gehörende Strand Cala Encendida (Erleuchtete Bucht), der ebenfalls nur über einen Schotterweg zu erreichen ist, dem sich ein Klippenparkplatz anschließt. Dennoch ist die Cala Encendida mit ihrem grau-braunen, mittel-grobkörnigen Sand eher untypisch für die Region. Spektakulär sind hier die Granit-Klippen, die den Strand begrenzen, den man nur über eine abenteurliche, halsbrecherisch-steile Naturtreppe erreicht. Leider ist somit diese wunderschöne, weil völlig naturbelassene Bucht für ältere oder behinderte Menschen nicht erreichbar. Auch mit dem Kinderwagen wird das Ganze sehr schwierig.
Schließlich gelangen wir an die bereits zur Luxus-Urbanisation El Roche gehörenden, versteckt liegenden Felsbuchten, die ebenfalls nur über sehr abenteuerliche Naturtreppen zu erreichen sind. Die kleinen, tief am Fuße einer mit dichtem Gestrüpp bewachsenen Klippenformation liegenden Buchten, sind, aufgrund ihrer besonders schweren Erreichbarkeit, insbesondere bei Nudisten beliebt. Für sportliche Naturen, die sich vor der Kletterei nicht fürchten, lohnt das einmalige Naturschauspiel der Felsbuchten von El Roche allemal.
Die ebenfalls noch zum Kreis Conil gehörende Urbanisation El Roche ist etwas Besonderes. Hier verbringen die Angehörigen der spanischen Hochfinanz ihre Sommerfrische, auch der eine oder andere Politiker hat hier seine Sommervilla. Die weitläufige Anlage ist in einen wunderschönen Pinienwald eingebettet, vielleicht die Hauptattraktion des ganzen Komplexes.