Die
Hauptattraktion des zwischen Chiclana und
Barbate gelegenen Küstenstädtchens
Conil sind zweifelsohne seine endlosen, unverbauten
Strände, die sich auf insgesamt rund
15 Kilometern bis auf das Gebiet der Luxus-Urbanisation
El Roche hinziehen. Darüber hinaus gelten
die Gewässer von Conil als Taucherparadies.
Dem kleinen, romantischen Zentrum der Kleinstadt
merkt man allenthalben seine Vergangenheit
als Fischerdorf an, noch geht es in den verwinkelten
Gassen mit ihren typisch andalusischen, schneeweißen
Flachdach-Häuschen beschaulich und stressfrei
zu. Was Conil außerdem auszeichnet,
ist die sprichwörtlilche Freundlichkeit
der Einheimischen dem Fremden gegenüber,
man spürt, dass hier der Massentourismus
noch keinen Einzug gehalten hat.

Die Erkundung von Conil startet der Reisende
am besten von der Uferpromenade, dem Paseo
Marítimo aus. Hier gibt es, parallel
zum urbanen Los Bateles-Strand gelegen, Parkplätze
en masse, der gemütliche städtische
Parkwächter, dem seine Vergangenheit
als Fischer ins wettergegerbte Gesicht geschrieben
steht, verlangt lediglich einen Obolus von
80 Cent, dafür kann man den Wagen hier
den ganzen Tag stehen lassen – Conil
sollte man unbedingt zu Fuß entdecken.
Der schier endlos wirkende, naturbelassene
Stadtstrand Los Bateles ist fast menschenleer,
weht doch an unserem Besuchstag eine solch
steife Atlantik-Brise, dass auf dem Überwachungsturm
der Rettungsschwimmer die rote Fahne gehisst
ist, und das heißt Badeverbot. Nicht
umsonst ist auch Conil ein beliebtes Windsurfing-Revier.

Gleich gegenüber dem Paseo Marítimo
(Strandpromenade) gelangen wir in die kleine,
noch recht verträumt wirkende Altstadt
von Conil, deren kunsthistorische Hauptattraktion
der Torre de Guzmán (Guzmán-Turm)
ist.
Das zwischen all den geduckten Gebäuden
der Altstadt wie ein Fremdkörper wirkende
gotische Ungetüm wurde im 14. Jahrhundert
unter der Ägide des damaligen Lehnsherrn
von Conil, Guzmán el Bueno, als Bestandteil
eines Verteidigungsringes errichtet, der zur
Abwehr eines potentiellen Angriffes der gerade
erst vertriebenen Mauren dienen sollte. Von
der Aussichtsplattform des Turmes bietet sich
dem Globetrotter ein überaus beeindruckender
Blick, der bis zum Kap von Trafalgar reicht.
Rechts
neben dem Guzmán-Turm liegt die Plaza
Santa Catalina (Platz der Heiligen Katharina),
gleichsam das Herz der Altstadt von Conil.
Der malerische kleine Platz ist an seiner
Ostseite von der im 16. Jahrhundert erbauten,
gleichnamigen Kirche begrenzt (Iglesia de
Santa Catalina). In ihren Anfangszeiten diente
die Katharinen-Kirche noch als Kloster.
Im Bereich der Plaza Santa Catalina konzentriert
sich auch das Gros der Kaffeeterassen, Tapa-Bars
und Restaurants von Conil. Die lokale Küche
ähnelt jener der übrigen von uns
an der Costa de la Luz besuchten Küstenorte
und basiert insbesondere auf frischem Fisch
und Meeresfrüchten.
Freilich ist das Hinterland von Conil in der
ganzen Provinz Cádiz für seine
hervorragenden Agrarprodukte bekannt und gilt
als Obst-und Gemüsegarten der Region.
Wer im Herbst oder Winter hierher kommt, sollte
unbedingt die wirklich leckeren Gemüseeintöpfe
probieren, für die das Städtchen
berühmt ist.

Unter Eingeweihten gilt die Altstadt von Conil
übrigens als Geheimtipp für ihr
– zumindest in den Hochsommermonaten
– ausschweifendes Nachtleben, das sich
ebenfalls ganz in der Nähe der Plaza
Santa Catalina, vor allem in der Calle José
Tomás Borrego (José Tomás
Borrego-Straße) konzentriert.
Wer bis in die frühen Morgenstunden in
vollgestopften Lokalen bei ohrenbetäubender
Disko-Musik feiern will, dem seien die dort
situierten Bars El Duende (Der Kobold), La
Luna (Der Mond) und Sureste (Südosten)
empfohlen, wo junge und jung gebliebene Nachtschwärmer
garantiert auf ihre Kosten kommen.
Traumstrände
unterschiedlicher Couleur
Wie
bereits eingangs erwähnt, zeichnet sich
Conil insbesondere durch seine paradiesischen
Strände aus, die zudem recht unterschiedliche
Charakteristika aufweisen.
Zunächst wäre da der der Altstadt
vorgelagerte Los-Bateles-Strand, der über
sämtliche heute üblichen Service-Einrichtungen
verfügt. Um die auch hier vorhandenen,
für die Strände der Costa de la
Luz so typischen Dünen zu schonen, hat
die Stadtverwaltung Holzstege errichtet, die
als Zugang zu den Badezonen dienen. Somit
sollen die reichhaltige Flora und Fauna der
Dünenlandschaft geschont werden.
Der Strand, mit seinem puderzuckerfeinen,
goldgelben Sand, ist so weitläufig, dass
es selbst in den Sommermonaten schwierig sein
dürfte, sich von den übrigen Badegästen
gestört zu fühlen. Während
der Hauptsaison funktioniert hier
ein ganztägiger Rettungsschwimmer-Service;
der Zustand des Meeres wird, wie an der gesamten
Costa de la Luz üblich, durch Fahnen
angezeigt (grüne Fahne = "keine
Gefahr", gelbe Fahne = "vorsicht,
nur für geübte Schwimmer",
rote Fahne = "Badeverbot").
Etwas weiter westlich gelegen geht der Los
Bateles-Strand in die ebenfalls noch auf dem
Stadtgebiet von Conil liegende Playa Fontanilla
über, ein Strand, der zwar ähnlche
Charakteristika aufweist wie Los Bateles,
der aber eher von jugendlichem Publikum freuquentiert
wird.
Etwas ganz Besonderes ist
der bereits etwas außerhalb und gut
versteckt liegende Natur-Strand Cala del Aceite
(Öl-Bucht). Doch keine Angst, der Strand
zeichnet sich nicht etwa durch die Folgen
einer Ölpest aus, vielmehr deutet der
Name darauf hin, dass es im Hinterland von
Conil viele Olivenbäume gibt. Man erreicht
ihn nur, indem man, direkt an der Küste
entlang, einige Kilometer Richtung
Chiclana fährt, um dann links in einen
Feldweg einzubiegen, der lediglich
mit einem winzigen Hinweisschild versehen
ist, das man leicht übersieht. Nur im
Schritt-Tempo geht es dann auf einem abenteuerlichen
Schotterweg durch den Pinienwald, vorbei an
einem Campingplatz, bis man schließlich
auf den hoch oben auf einer Klippe gelegenen
Parkplatz gelangt, zu dessen Füßen
dann endlich die Cala del Aceite liegt. Die
halbmondförmige Ölbucht ist von
rötlich-braunen Sandstein-Felsformationen
umgeben; insbesondere am späten Nachmittag
ensteht somit ein einzigartiger Licht-Effekt,
durch den sich der Reisende automatisch an
Australien erinnert fühlt. Auch hier
wieder der lichtküstentypische, goldgelbe
Puderzuckerstrand. Die Cala del Aceite verfügt
über keinerlei Service-Einrichtungen,
dafür gibt´s hier aber ein mitten
in den Sand gebautes Chiringuito (Strandlokal
mit Barbetrieb).
Nächste Station ist der zur Nobel-Urbanisation
Fuente del Gallo (noch Kreis Conil) gehörende
Strand Cala Encendida (Erleuchtete Bucht),
der ebenfalls nur über einen Schotterweg
zu erreichen ist, dem sich ein Klippenparkplatz
anschließt.
Dennoch ist die Cala Encendida
mit ihrem grau-braunen, mittel-grobkörnigen
Sand eher untypisch für die Region. Spektakulär
sind hier die Granit-Klippen, die den Strand
begrenzen, den man nur über eine abenteurliche,
halsbrecherisch-steile Naturtreppe erreicht.
Leider ist somit diese wunderschöne,
weil völlig naturbelassene Bucht für
ältere oder behinderte Menschen nicht
erreichbar. Auch mit dem Kinderwagen wird
das Ganze sehr schwierig.
Schließlich gelangen wir an die bereits
zur Luxus-Urbanisation El Roche gehörenden,
versteckt liegenden Felsbuchten, die ebenfalls
nur über sehr abenteuerliche
Naturtreppen zu erreichen sind. Die kleinen,
tief am Fuße einer mit dichtem Gestrüpp
bewachsenen Klippenformation liegenden Buchten,
sind, aufgrund ihrer besonders schweren Erreichbarkeit,
insbesondere bei Nudisten beliebt. Für
sportliche Naturen, die sich vor der Kletterei
nicht fürchten, lohnt das einmalige Naturschauspiel
der Felsbuchten von El Roche allemal.
Die ebenfalls noch zum Kreis Conil gehörende
Urbanisation El Roche ist etwas Besonderes.
Hier verbringen die Angehörigen der spanischen
Hochfinanz ihre Sommerfrische, auch der eine
oder andere Politiker hat hier seine Sommervilla.
Die weitläufige Anlage ist in einen wunderschönen
Pinienwald eingebettet, vielleicht die Hauptattraktion
des ganzen Komplexes.
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