Noch
bis weit in die neunziger Jahre hinein galt
der Küstenort Chiclana – und mit
ihm die gesamte Costa de la Luz – als
eine Art armer Verwandter der benachbarten
Costa del Sol. Zu viel Wind, zu abgelegen,
zu viele militärische Sperrzonen, schlechte
Verkehrsanbindung, dies waren die Hauptargumente
der großen Reiseveranstalter, um die
Provinz Cádiz und mit ihr die "Küste
des Lichts" links liegen zu lassen. Doch
insbesondere in den vergangenen sechs Jahren
hat sich dieses Bild grundlegend gewandelt.
Chiclana gilt heute als einer der angesagtesten
Ferienorte der Iberischen Halbinsel, eingebettet
in eine paradiesische, unverbaute Atlantik-Landschaft
aus schier endlosen Dünenstränden
und dichten Pinienwäldern, dazwischen
einer der besten 36-Loch-Golfplätze Europas,
Meerblick inklusive. Der große, von
kurzsichtiger Spekulationswut getriebene Tourismus-Boom,
der insbesondere in den späten 60-er
und frühen 70-er Jahren an der benachbarten
Costa del Sol ausgebrochen war, hier hat er
nie stattgefunden. Doch für Chiclana
und die gesamte Lichtküste war diese
Entwicklung ein Segen, wurden doch so hierzulande
nie jene abschreckenden urbanistischen Sünden
begangen, die heute dazu führen, dass
nicht nur die spanische Hautevolee sich zunehmend
von Marbella & Co. abwendet, um sich Richtung
Provinz Cádiz zu orientieren, wo es
einfach dezenter und eleganter zugeht. Schon
macht das geflügelte Wort von der "Karibik
Europas“ die Runde, wenn von der Costa
de la Luz und ihrer heimlichen touristischen
Hauptstadt Chiclana die Rede ist.
Beginnen
wir unsere Entdeckungstour durch Chiclana
mit einer faszinierenen Zeitreise, die uns,
in nur einem Vormittag, vom frühen 20.
mitten ins 21. Jahrhundert führen wird.
Das ganz im äußeren Westen des
Gemeindegebietes von Chiclana auf einer kleinen
Halbinsel gelegene ehemalige Fischerdorf Sancti
Petri (Poblado de Sancti Petri) ist heute
nur noch eine Geisterstadt, deren einziger
verbliebener Bewohner der hier stetig sein
Unwesen treibende Atlantikwind ist.
Die langsam aber sicher verfallenden Gebäude,
die sich um die ungewöhnlich breite Hauptstraße
gruppieren, berichten von einer längst
vergangenen Zeit, in der in Chiclana mit der
fischverarbeitenden Industrie noch viel Geld
verdient wurde.
So dominiert denn auch das
riesige eiserne Skelett der alten Konservenfabrik
die ganze Ansiedlung, die sich in den 30-er
Jahren des vergangenen Jahrhunderts
vom Fischerdorf zur reinen Arbeiter-Schlafstätte
wandelte.
Schließlich hatte
zu jener Zeit auch Chiclana noch seine Almadraba,
sprich das Privileg, Thunfisch fangen und
zu Konserven verarbeiten zu dürfen; letzteres
geschah in der Fabrik von Sancti Petri, die
während ihrer Blütezeit bis zu 400
Arbeiter aus ganz Andalusien beschäftigte.
In den späten 70-er Jahren machte die
Konservenfabrik pleite und somit wurde die
Agonie des alten Sancti Petri eingeleitet,
das seither ständiger Zankapfel verschiedener
Interessegruppen ist.
Noch immer ist nicht klar, was mit dem sich
heute im Staatsbesitz befindlichen Gelände
geschehen soll, das geradezu nach einer touristischen
Nutzung schreit, zumal direkt nebenan der
kleine Sporthafen von Chiclana liegt, dem
sich mit dem Strand von Sancti Petri (Playa
de Sancti Petri) ein ideales Windsurfing-Revier
anschließt.
Zeitsprung in die Moderne
Unterdessen ist,
nur wenige Kilometer weiter östlich,
längst ein neues Sancti Petri, die Urlaubs-Stadt
Novo Sancti Petri, entstanden. Auf einem 5.000.000
Quadratmeter großen, zwischen naturbelassenen
Dünenstränden und Pinienwäldern
gelegenen Areal bietet "Neu-Sancti Petri“
– von den Einheimischen einfach nur
kurz El Novo genannt – alles, was das
Herz des Reisenden im 21. Jahrhundert begehrt:
- Insgesamt
13 in unmittelbarer Strandnähe gelegene
vier- bzw. fünf-Sterne- Hotels
- Drei Golfplätze, darunter
der von Severiano Ballesteros gestaltete,
zum privaten Golfclub
Novo Sancti Petri gehörende 36-Loch-Platz,
der als einer der
besten Europas gilt
- Sonstige Sporteinrichtungen
(u.a. Reiten, Tennis, Windsurfing, Fußball,
Rennrad fahren, Mountainbiking,
Motorrad fahren, Flugschule)
- Ein modernes aber unaufdringliches
Einkaufs- und Dienstleistungszentrum
- Private Apartment-Anlagen mit allem
Komfort, in unmittelbarer Nähe der Golfplätze,
ergänzt durch exklusive
Villen-Viertel für Individualisten
- Wellnes-Zentren, - Privatkliniken,
- eine private Seniorenresidenz...ein Komplettpaket,
das kaum Wünsche offen lässt.
In
den Himmel aufragende Bettenburgen, Billig-Hotels
mit "jugendlicher Atmosphäre“,
Busladungen voller Adiletten-Träger,
die sich gierig über riesige Sangria-Tröge
beugen – alles Fehlanzeige im Neuen
Sancti Petri. Ballermann, Benidorm und Torremolinos
sind weit weg, und niemand in Chiclana will
diese längst als gescheitert geltenden
Modelle aus der Steinzeit des Tourismus kopieren.
Zwar ist Novo Sancti Petri ein urbanistisches
Kunstwesen, das erst im Verlaufe der 90-er
Jahre aus dem Boden gestampft wurde, jedoch
wirkt das Ganze nicht wie ein Fremdkörper,
haben doch die Gründerväter dieses
Geburtsortes der Marke "Costa de la Luz“
aus jenen gravierenden Fehlern gelernt, die
in anderen spanischen Tourismus-Hochburgen,
insbesondere an der benachbarten Costa del
Sol, begangen wurden.
Als Folge verabschiedete 1989 das Rathaus
von Chiclana, zu dessen Gemeindegebiet
"El Novo“ gehört, einen Bebauungsplan
für das Areal, der die Investoren bis
heute an strenge Auflagen bindet; so kann
höchstens ein Drittel der Gesamtfläche
von Neu-Sancti-Petri bebaut werden, dabei
darf keines der hier neu entstehenden Gebäude
eine Gesamthöhe von vier Etagen überschreiten.
Auch die Anlage einer betonierten Uferpromenade
wurde definitiv ausgeschlossen, zu sehr hätte
der Novo Sancti Petri zugehörige, acht
Kilometer lange Natur-Strand "La Barrosa“
mit seiner einzigartigen Dünenlandschaft
unter dem Bau eines solchen Paseo Marítimo
gelitten.
Als Folge verabschiedete
1989 das Rathaus von Chiclana, zu dessen Gemeindegebiet
"El Novo“ gehört, einen Bebauungsplan
für das Areal, der die Investoren bis
heute an strenge Auflagen bindet; so kann
höchstens ein Drittel der Gesamtfläche
von Neu-Sancti-Petri bebaut werden, dabei
darf keines der hier neu entstehenden Gebäude
eine Gesamthöhe von vier Etagen überschreiten.
Auch die Anlage einer betonierten Uferpromenade
wurde definitiv ausgeschlossen, zu sehr hätte
der Novo Sancti Petri zugehörige, acht
Kilometer lange Natur-Strand "La Barrosa“
mit seiner einzigartigen Dünenlandschaft
unter dem Bau eines solchen Paseo Marítimo
gelitten.
Im April 1991 eröffnete mit dem "Royal
Andalus" (****) das erste Hotel des neuen
Sancti Petri, zwölf weitere sollten ihm
bis heute folgen, darunter auch das exklusive
Klubhotel „Aldiana Andalusien“.
Von seinerzeit 14 genehmigten Hotelbauten
fehlt nur noch einer, und so wird binnen der
ersten Dekade des 21. Jahrhunders der Traum
jener Visionäre aus Lokalpolitik und
Privatwirtschaft vollendet, die seinerzeit
von Teilen der einheimischen Bevölkerung
als "Spinner“ und "Feinde
des Volkes“ angegiftet wurden.
Wie fast alle Retortensiedlungen,
so hat auch Novo Sancti Petri zumindest mit
einem Problem zu kämpfen: mangels einer
gewachsenen Infrastruktur ist hier abends
und am Wochenende außerhalb der Hotels
nicht viel geboten, so dass es,
insbesondere für junge Leute oder kinderlose
Singles, schnell langweilig werden kann.
Wer das junge, ausgesprochen exzessive spanische
Nachtleben sucht, der wird freilich in den
in unmittelbarer Nachbarschaft liegenden Urbanisationen
fündig, die zwischen der Carretera de
la Barrosa und dem Paseo Marítimo (Uferpromenade)
liegen. Hier ist die Hölle los, Sünder
kommen somit garantiert auf ihre Kosten, vorausgesetzt,
sie passen sich den spanischen Ausgehzeiten
an, d.h., von Mitternacht bis in die frühen
Morgenstunden. Zumindest während der
Sommermonate ist des Nachts auch in den Bars
des Centro Comercial Bellamar (Einkaufszentrum
Bellamar) einiges geboten.
Wer zum ersten Mal in Spanien ist, dem wird
im Umfeld der "Ausgehmeilen“ ein
Massen-Phänomen auffallen, wie es in
dieser Form nur hierzulande existiert: Insbesondere
freitags und samstags abends treffen sich
dann zuweilen Tausende trinkfreudige Halbstarke
beiderlei Geschlechts auf zentral gelegenen
Straßen und Plätzen, um dort mitunter
stundenlange, lautstarke Trinkgelage abzuhalten,
bei denen vor allem harte Mischgetränke
in Strömen fließen. So dann schon
preisgünstig angetrunken, geht es anschließend
in die umliegenden Bars und Diskotheken.
Dieser in ganz Spanien weit verbreitete Usus
wird – eigentlich fälschlicherweise
– als Movida Juvenil ("Junge Movida")
bezeichnet. Der Begriff Movida wurde im Madrid
der späten 70-er Jahre, kurz nach dem
Fall des autoritären Franco-Regimes geboren
und bezeichnete eine am britischen Punk orientierte
Protestbewegung von Künstlern um den
heutigen spanischen Star-Regisseur Pedor Almodóvar,
deren Anhänger unter anderem einem extrem
ausschweifenden Nachtleben huldigten.
Chiclana – Eingangspforte der
Lichtküste
Wohl kaum eine andalusische Stadt
hat in den vergangenen Jahren einen solch
radikalen Wandel vollzogen wie Chiclana. Allein
im Zeitraum seit 1995 ist die Bevölkerung
um gut 35%, auf heute rund 70.000 Einwohner
angewachsen.
Fast die Hälfte der Erwerbstätigen
ist direkt oder indirekt vom Tourismus abhängig,
der Rest arbeitet in der stark prosperierenden
Bauindustrie oder im Einzelhandel. Chiclana
ist das Einkaufszentrum für die ganze
Region, nirgendwo sonst gibt es eine höhere
Konzentration an Super- und Baumärkten,
Möbelgeschäften oder Autohändlern.
Längst haben sich auch Lidl und Plus
hier niedergelassen, suchen händeringend
nach jungen Führungskräften für
die Eröffnung weiterer Filialen.
Chiclana ist Boom-Town und dies liegt nicht
nur an der stetig wachsenden Zahl ausländischer
Urlauber und Residenten. Seit der Küstenort
per Schnellstraße und Autobahn mit der
rund 20 Kilometer entfernten Provinzhauptstadt
Cádiz verbunden ist, wählen immer
mehr junge Gaditanos (hier: Einwohner der
Stadt Cádiz) das wesentlich billigere
Chiclana als Wohnort, nicht ganz freiwillig,
sind doch die Immobilienpreise in ihrer Heimatstadt
ins Astronomische gestiegen.
Dass der Wachstumsmotor in Chiclana tüchtig
brummt, wird dem Reisenden spätestens
bei einem Bummel durch die Fußgängerzone
bewußt, die zu jeder Tageszeit vor Menschen
überquillt.
Ein Rundgang durch die
Stadt
Erste
Anlaufstelle für Touristen oder Neu-Residenten
ist die ganz am Ende der Fußgängerzone,
bereits nahe am Fluss gelegene Oficina de
Turismo (Städtisches Fremdenverkehrsbüro,
Alameda del Rio s/n = Fluss-Straße,
ohne Hausnummer). Dort geht es fast so hektisch
zu wie auf dem Frankfurter Parkett, die beiden
französischen Touristik-Studentinnen,
die hier ihr Praktikum absolvieren, kommen
bereits morgens um zehn tüchtig ins schwitzen.
Dennoch ist der Empfang überaus freundlich,
der Globetrotter wird mit vielen Tipps und
ausführlichem Infomaterial versorgt.
In den Sommermontaten ist übrigens in
Novo Sancti Petri eine Außenstelle des
Fremdenverkehrsbüros in Betrieb (Verkehrsinsel
am Eingang der Urbanisation).
Unser Rundgang kann nun beispielsweise im
nahe gelegenen Städtischen Stierkampf-Museum
(Museo Taurino Municipal, C/San Agustín,
3 = San Agustín-Straße, Nr.3)
von Chiclana beginnen. In dem kleinen, direkt
neben einem Foto-Geschäft liegenden Museum
dreht sich alles um den Torero Francisco Montes
Paquiro, einem der berümtesten Söhne
Chiclanas, der in der ersten Hälfte des
19. Jahrhunderts aus dem Stierkampf eine Art
Wissenschaft machte und in diesem Zusammenhang
auch eine Reihe neuer Techniken erfand, die
heute ihren festen Platz im Regelwerk der
Corridas (Stierkämpfe) gefunden haben.
Unter anderem ist hier das Original-Arbeitszimmer
des Meisters aufgebaut. Das auf eine Privatinitiative
zurückgehende Museum ist mit viel Liebe
zum Detail gemacht und kann auch für
Nicht-Siterkampfexperten interessant sein.
Wer mit der Geschichte des professionellen
Erlegens unschuldiger Kampstiere eher nichts
am Hut hat, dem sei ein Besuch in Chiclanas
Puppenmuseum (Museo de Muñecas Marín,
C/Arroyelo 16 = Arroyelo-Strasse Nr. 16, geöffnet
Mo – Sa, 9.00 bis 13.00 Uhr) geraten.
Das Puppenmuseum Marín
gehört zum gleichnamigen Traditionsunternehmen,
das am Produktiosstandort Chiclana das wohl
weltweit bekannteste spanische Souvenir herstellt:
die Flamenco-Puppe (Gitanilla). Das von vielen
Daheimgebliebenen gefürchtete Mitbringsel
wird hier noch in detailverliebter Handarbeit
produziert: vom Design der verschiedenen Puppenmodelle,
über das Bemalen der Gesichter, bis hin
zum Nähen der winzigen Modellkleidchen,
der gesamte Herstellungsprozess vollzieht
sich in Chiclana, garantiert ohne das Zutun
chinesischer Gulag-Insassen. Die Tradition
des 1984 verstorbenen Firmengründers
José Marín Verdugo, der in den
30-er Jahren aus dem Nichts, nur mit einem
Bauchladen in Madrid angefangen hatte, wird
heute von dessen Tochter, Ana Marín,
fortgeführt, die die Besucher des Museums
persönlich empfängt. Noch bis weit
in die 60-er Jahre hinein war die Marín-Puppenfabrik
der wichtigste industrielle Arbeitgeber in
Chiclana.
Die
Einheimischen behaupten, dass die Ursprünge
der gaditanischen Weinproduktion nicht in
Jerez, sonderen in Chiclana liegen, seien
doch hier und nicht in der ungeliebten Nachbarstadt
die traditionellen Produktionsmethoden für
die Herstellung der im Ausland als Sherry
bezeichneten Fino-Weine ersonnen worden. Wie
dem auch sei, der Besuch einer der zahlreichen
lokalen Bodegas (Weinkellereien) gehört
zum Pflichtprogramm eines jeden Chiclana-Besuches.
Aus unserer subjektiven Sicht empfehlen wir
hierfür beispielsweise die malerischen
Bodegas Miguel Guerra (C./Mendaro, 16 = Mendaro-Strasse,
Nr. 16), die noch ganz im Stil des 19. Jahrhunderts
gehalten sind. Spezialität des Hauses
ist der Fino Palillo, ein sehr trockener aber
dennoch leicht fruchtiger, bernsteinfarbener
Sherry-Wein, den man hier nicht nur kosten,
sondern natürlich auch kaufen kann.
Wem der
Fino Palillo jetzt schon den Magen geöffnet
hat, der ist in der gleich gegenüber
liegenden Tapa-BarCasa Adolfo bestens aufgehoben.

In der Küche dieses bereits 1961 gegründeten
Traditionslokals, in dem hauptsächlich
einheimische Geschäftsleute verkehren,
entsteht beste andalusische Hausmannskost,
wie man sie heute leider nur noch selten findet.
Ein absoluter Traum sind die Papas Alineás
con melva (Andalusischer Kartoffelsalat mit
Makrelenfilet) oder das einmalige Lomo en
Manteca (Schweinelendchen im Schmalzmantel),
das so zart ist, dass es auf der Zunge zergeht.
Dazu ein gut gekühlter Fino (Sherry)
oder eine frisch gezpapfte Caña (kleines,
eiskalt serviertes Bier) und man ist wieder
genügend gestärkt, um die Tour durch
Chiclana mit dem Besuch einiger historischer
Gebäude abzurunden.
Der Zeitraum zwischen dem
16. und den ersten zwei Dritteln des 17. Jahrhunderts
war nicht nur für das spanische Weltreich,
sondern auch für Chiclana das Goldene
Zeitalter (Siglo de Oro) schlechthin, eine
Epoche, die eine ganze Kunst- und Literaturgattung
hervorgebracht hat. Im benachbarten Cádiz
ließen sich viele im Kolonialhandel
tätige genuesische Kaufleute nieder,
deren architektonischer Geschmack die ganze
Region stark beeinflusst hat. Ein besonders
schönes Beispiel hierfür ist etwa
die ab 1667 entstandene Barock-Kirche Iglesia
y Convento de Jesús Nazareno (Klosterkirche
des Jesus von Nazaret, C/Larga = Lange Straße).
Das Eingangsportal des Kirche, mit seinen
gewundenen Säulen aus blass rosafarbenem
Carrara-Marmor, gilt als das schönste
seiner Art in der ganzen Provinz Cádiz.
Im Innern lohnt ein Blick auf den ebenfalls
ganz in der Tradition des andalusischen Barock
gefertigten Altaraufsatz. Das 1674 fertig
gestellte Bauwerk wurde von einer Gruppe aus
Cádiz-Stadt stammender, im Amerika-Handel
reich gewordener Kaufleute gespendet, eine
seinerzeit durchaus übliche Praxis, die
– neben dem damit einhergehenden Prestigegewinn
– hauptsächlich dazu diente, sich
mit dem Segen der Kirche von seinen diversen
Sünden reinzuwaschen.
An
der Plaza Mayor (Hauptplatz), mitten im Zentrum
von Chiclana, liegt die imposante Iglesia
Parroquial San Juan Bautista (Johannes der
Täufer-Pfarrkirche), die eher an die
Münchner Oper als an eine Kirche erinnert.
Das neoklassizistische Bauwerk mit seinen
drei Kirchenschiffen enstand zwischen den
Jahren 1773 und 1820 und fällt insbesondere
wegen seines nicht vorhandenen Kirchturmes
auf. Im Innern finden sich zwei besonders
schöne Gemälde aus der Schule des
berühmten spanischen Barock-Malers Fancisco
de Zurbarán (1558-1664).
Gleich neben der oben beschriebenen turmlosen
Johannes der Täufer-Pfarrkirche steht
mit der Torre de Reloj (Uhr-Turm) ein Überbleibsel
des alten Rathauses von Chiclana. Der Turm,
im Volksmund Arquillo de Reloj (etwa: "Uhr-Bögelchen“),
übernimmt heutzutage die Funktion des
Geläuts für die benachbarte Iglesia
Parroquial San Juan Bautista.
Einen sehr schönen
Blick über die ganze Stadt und
weite Teile des Umlandes hat man von der Ermita
de Santa Ana (Kapelle der Heiligen Ana) aus,
die an der gleichnamigen Straße (Santa
Ana) ganz im oberen Teil Chiclanas liegt.
Die ebefalls eindeutig vom Klassizismus beeinflusste
Wallfahrtskirche, die in einen achteckigen
Wandelgang eingebetettet ist, entstand in
den Jahren 1772 bis 1774. Im Innern der kleinen
Kirche stößt der Reisende auf ein
typisches Beispiel für die in ganz Andalusien
weit verbreitete Mischung aus intensiver Marien-Verehrung
und volkstümlichem Aberglauben: fast
etwas versteckt, an der hinteren linken Wand
neben dem Haupteingang, sind zwei mit allerlei
Krimskrams gefüllte Glasvitrinen angebracht,
deren Inhalt man als Außenstehender
zunächst nicht mit den Riten der Katholischen
Kirche in Verbindung bringen würde: Pass-Fotos,
Kopien von Ausweispapieren, Führerscheinen
oder sonstigen Dokumenten, kleine Plüschtiere,
Schlüsselanhänger
und immer wieder Schlüssel in jeglicher
Form. Schließlich lassen wir uns von
einem Einheimischen darüber aufklären,
was es mit diesem exotischen Brauch auf sich
hat.
Die Gläubigen, so erzählt er, die
in der Santa-Ana-Kapelle die Heilige Jungfrau
anbeten, deponieren hier Gegenstände,
die einen meist sehr wichtigen, intensiven
Wunsch repräsentieren. So symbolisiert
beispielsweise ein Schlüsselbund die
Sehnsucht eines Gläubigen, der Himmel
möge ihm eine bezahlbare Eigentumswohnung
schicken (das wichtigste Statussymbol in Spanien).
Mit der Kopie eines Führerscheins bitten
Fahranfänger die Heilige Jungfrau um
das Bestehen der Prüfung, usw. usw. Das
Ganze ist, wie gesagt, sehr "typical
Spanish".
Die Schlüssel zu diesen "Wunsch-Schreinen"
bewacht übrigens eifersüchtig eine
Greisin, die im hinteren Teil der Kapelle
wohnt und die auch ansonsten dafür sorgt,
dass hier alles mit rechten Dingen zugeht.Und
so wird uns, am Ende unserer ersten Entdeckungsreise
durch Chiclana, einmal mehr bewusst, dass
man hier, nur binnen eines Tages, aus der
Moderne in längst vergangene Zeiten reisen
kann.
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