
Für den Besuch des in unmittelbarer Nachbarschaft
von Villaluenga del Rosario gelegenen “Weißen
Dorfes” Benaocaz muss man eigentlich
nicht mehr als zwei bis drei Stunden einplanen.
Der einzige Reiz dieses recht 600-Seelendörfchens
sind die sich im oberen Ortsteil befindlichen
"arabischen“ Ruinen, die noch aus
der Zeit der rund 780 Jahre andauernden moslemischen
Besatzung Andalusiens stammen.
Trotz der Tatsache, dass es sich bei Benaocaz
um den mutmaßlich ältesten Flecken
in der Region Sierra de Grazalema handelt
– Höhlenfunde in der Nähe
des Dorfes lassen darauf schließen,
dass hier bereits vor 5000 Jahren erste menschliche
Siedlungen entstanden – präsentiert
sich der Ort dem Reisenden heute eher als
recht trostlos.

Was einen Besuch hier dennoch interessant
macht, ist das sogenannte Barrio Nazari, die
mutmaßlich aus dem 15. Jahrhundert stammenden
Überreste des alten "arabischen“
Benaocaz, das insbesondere als Bollwerk gegen
die aus dem Norden eindringenden christlichen
Rückeroberer dienen sollte. Dass dieses
alte Benaocaz nicht nur Wohnort sondern insbesondere
auch militärische Festung war, erkennt
man noch heute an einigen Überbleibseln
ehemaliger Wachtürme oder an den mit
Schießscharten versehenen Resten der
Befestigungsmauern.

1485 eroberte der Markgraf von Cádiz,
Don Rodrígo Ponce de León, Benaocaz
endgültig wieder für das christliche
Spanien zurück. Nachdem die moslemische
Bevölkerung vertrieben worden war, siedelte
Ponce de León hier Bauern aus Kastilien
an, die sich mit Neusiedlern aus dem Guadalquivir-Tal
und aus Cádiz-Stadt vermischten.

Diese neuen christlichen Siedler nutzten die
vorgefundene nordafrikanisch geprägte
Infrastruktur, indem sie sie gemäß
ihrer Zwecke adaptierten; eine Vorgehensweise,
wie sie sich in nahezu allen "Weißen
Dörfern“ Andalusiens wiederholte.

Im unteren Teil des Ortes lohnt noch ein Blick
auf das schneeweiße Barock-Rathaus aus
dem 18. Jahrhundert, wie es so oder ähnlich
auch sicherlich zigfach in den iberoamerikanischen
Kolonien kopiert wurde.

Aus unserer subjektiven Sicht raten wir hingegen
dringend davon ab, in Benaocaz essen zu gehen.
In einem nahe dem Rathaus gelegenen Restaurant,
in dem man angeblich auf "dorftypische,
traditionelle“ Gerichte spezialisiert
ist, bekamen wir nahezu Ungenießbares
aufgetischt, so dass gar höchst unangenehme
Erinnerungen an einen längst vergessen
geglaubten Studienaufenthalt in Großbritannien
wach gerufen wurden.
Weitere
Informationen:
- Oficina de Turismo (Touristen-Informationsbüro)
im Rathaus
Plaza de las Libertades 1 (Platz der Freiheiten,
Nr. 1)
Tel.: (0034)956-125 500
- Centro Médico (Ärzte-Zentrum
der spanischen Sozialversicherung)
C. Juan Gama, s/n (Juan Gama-Straße,
ohne Hausnummer)
Tel.: (0034)956-125 534
In medizinischen Notfällen können
Sie sich hier behandeln lassen
(bitte an EU-Formular E-111 denken).
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