Dienstag, 7. September 2010

Entdecken Sie die Provinz Cádiz Ort für Ort...





Für den Besuch des in unmittelbarer Nachbarschaft von Villaluenga del Rosario gelegenen “Weißen Dorfes” Benaocaz muss man eigentlich nicht mehr als zwei bis drei Stunden einplanen. Der einzige Reiz dieses recht 600-Seelendörfchens sind die sich im oberen Ortsteil befindlichen "arabischen“ Ruinen, die noch aus der Zeit der rund 780 Jahre andauernden moslemischen Besatzung Andalusiens stammen.







Trotz der Tatsache, dass es sich bei Benaocaz um den mutmaßlich ältesten Flecken in der Region Sierra de Grazalema handelt – Höhlenfunde in der Nähe des Dorfes lassen darauf schließen, dass hier bereits vor 5000 Jahren erste menschliche Siedlungen entstanden – präsentiert sich der Ort dem Reisenden heute eher als recht trostlos.





Was einen Besuch hier dennoch interessant macht, ist das sogenannte Barrio Nazari, die mutmaßlich aus dem 15. Jahrhundert stammenden Überreste des alten "arabischen“ Benaocaz, das insbesondere als Bollwerk gegen die aus dem Norden eindringenden christlichen Rückeroberer dienen sollte. Dass dieses alte Benaocaz nicht nur Wohnort sondern insbesondere auch militärische Festung war, erkennt man noch heute an einigen Überbleibseln ehemaliger Wachtürme oder an den mit Schießscharten versehenen Resten der Befestigungsmauern.






1485 eroberte der Markgraf von Cádiz, Don Rodrígo Ponce de León, Benaocaz endgültig wieder für das christliche Spanien zurück. Nachdem die moslemische Bevölkerung vertrieben worden war, siedelte Ponce de León hier Bauern aus Kastilien an, die sich mit Neusiedlern aus dem Guadalquivir-Tal und aus Cádiz-Stadt vermischten.








Diese neuen christlichen Siedler nutzten die vorgefundene nordafrikanisch geprägte Infrastruktur, indem sie sie gemäß ihrer Zwecke adaptierten; eine Vorgehensweise, wie sie sich in nahezu allen "Weißen Dörfern“ Andalusiens wiederholte.








Im unteren Teil des Ortes lohnt noch ein Blick auf das schneeweiße Barock-Rathaus aus dem 18. Jahrhundert, wie es so oder ähnlich auch sicherlich zigfach in den iberoamerikanischen Kolonien kopiert wurde.

 




Aus unserer subjektiven Sicht raten wir hingegen dringend davon ab, in Benaocaz essen zu gehen. In einem nahe dem Rathaus gelegenen Restaurant, in dem man angeblich auf "dorftypische, traditionelle“ Gerichte spezialisiert ist, bekamen wir nahezu Ungenießbares aufgetischt, so dass gar höchst unangenehme Erinnerungen an einen längst vergessen geglaubten Studienaufenthalt in Großbritannien wach gerufen wurden.






Weitere Informationen:

- Oficina de Turismo (Touristen-Informationsbüro) im Rathaus
Plaza de las Libertades 1 (Platz der Freiheiten, Nr. 1)
Tel.: (0034)956-125 500

- Centro Médico (Ärzte-Zentrum der spanischen Sozialversicherung)
C. Juan Gama, s/n (Juan Gama-Straße, ohne Hausnummer)
Tel.: (0034)956-125 534
In medizinischen Notfällen können Sie sich hier behandeln lassen
(bitte an EU-Formular E-111 denken).